Plattformgeschäfte im Automotive Aftermarket – Ein Rückblick auf 2024

Das Jahr 2024 markierte einen Wendepunkt für den Automotive Aftermarket. Digitalisierung und Plattformgeschäfte rückten stärker in den Fokus, da Kunden und Werkstätten zunehmend auf vernetzte Technologien angewiesen sind. Laut einer McKinsey-Studie folgen bereits 58 % der Autofahrer den Empfehlungen ihrer vernetzten Fahrzeuge, um Werkstätten zu finden und Termine zu vereinbaren. Die Digitalisierung des Fahrzeugs hat längst begonnen, und vernetzte Systeme prägen den Zugang zu Serviceleistungen grundlegend. Ein entscheidender Hebel, um mit dieser Komplexität umzugehen, sind Plattformlösungen.

In einem exklusiven Interview geben Mesut Cengiz, CEO der N4, und Patrick Lang, Head of Automotive Products N4, Einblicke in die Trends des vergangenen Jahres, die Bedeutung des Plattformgeschäfts und die Herausforderungen, die es darin zu meistern gilt. Dieses Gespräch bildet den Auftakt unserer Blogreihe über zentrale Entwicklungen der Softwarelösungen für den Automotive Aftermarket.

ÜBERBLICK

Plattformen erobern 2024 den Automotive Aftermarket

Das Jahr 2024 war geprägt von einem klaren Trend hin zum Plattformgeschäft im Automotive Aftermarket. Es gab ein gesteigertes Bedürfnis, möglichst viele Lieferanten und Industrien in einer einzigen Lösung zu integrieren, um ein breites Portfolio an Artikeln und Services bereitzustellen.

KURZFASSUNG: WAS IST EINE PLATTFORM?

Eine Plattform ist eine digitale Infrastruktur, die unterschiedliche Akteure miteinander verbindet und den Austausch von Produkten, Dienstleistungen oder Informationen ermöglicht. Sie dient als Vermittler und schafft durch die Integration von Daten und Prozessen Mehrwert für alle Beteiligten.

Welche zentralen Anforderungen an Plattformlösungen haben sich letztes Jahr besonders durchgesetzt?
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Mesut Cengiz, CEO der N4

Mesut: Das Plattformgeschäft ist letztes Jahr ein wichtiger Bestandteil vieler Werkstätten geworden. Besonders die Integration des Originalequipment Manufacturer (OEM) zum Aftermarket stand im Fokus. Dabei bündelt die Plattform nicht nur Informationen rund um die Beschaffung eines Ersatzteils, sondern auch um dessen Einbau. Deshalb bieten wir eine One-Stop-Shop-Lösung an, in der, ohne zusätzliche Logins oder einen Medienbruch, Reifen, Felgen, sonstige Autoteile und -service mit Integration in die eigene Warenwirtschaft angeboten werden.Der Käufer erlebt alles, was er von modernen B2C-Einkaufsplattformen gewöhnt ist, kombiniert mit einer Lösung, die Aftermarket und OEM in einem verbindet. Dank nahtloser Integration findet ein Informationskreislauf zwischen der Plattform und der eigenen Warenwirtschaft statt.

Herausforderungen bei der Umsetzung dieser elektronischen Datenaustausch (EDI)-Projekte

Welche B2B-Kundenanforderungen haben das Projektgeschäft 2024 geprägt?
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Patrick Lang, head of automotive products

Patrick: Im Jahr 2024 haben sich die Erwartungen im B2B-Bereich deutlich verändert: Kunden verlangen eine schnelle und nahtlose Erfahrung wie im B2C-Bereich. Ad hoc Informationen zu Lieferzeiten, Preisen und Beständen sind zentrale Anforderungen im Bestellprozess. Diese Entwicklung führte bei N4 zu einer steigenden Nachfrage neben E-Commerce-Projekten auch nach EDI-Projekten, die wir mit unserer Middleware N4CONNECT umsetzen. N4CONNECT vereinfacht den ERP-Integrationsprozess, ermöglicht reibungslose Kommunikation zwischen Warenwirtschaft und Webshop und bietet Live-Abfragen sowie die Übertragung relevanter Bestellinformationen. Skalierbar und effizient verbindet die Middleware tausende Lieferanten und erfüllt die wachsenden Anforderungen an Echtzeit-Daten im Automotive Aftermarket.

Welche Herausforderungen haben EDI-Projekte, die oft unterschätzt werden?

Mesut: Eine Plattform, in der man alles findet, ist sowohl für Kunden als auch Werkstätten im Automotive Aftermarket erstmal neu. Diese Zielgruppen müssen bei der Einführung neuer Systeme berücksichtigt werden. Der Kunde ist es nicht gewohnt, bestimmte Informationen auf Abruf zu haben oder eine Plattform zu nutzen, auf der Wartung in Kombination mit Rückrufaktionen angeboten wird. Hier ist es wichtig, das Vertrauen des Kunden in die Arbeitslogik und -abläufe aufzubauen. Auf der anderen Seite steht die Werkstatt, die all diese Informationen nutzen und an den Kunden weitergeben muss. Zwischen diesen Zielgruppen haben wir als Softwaredienstleister die Herausforderung, die benötigten Informationen (z.B. Mapping des Originalteils zum Zubehörteil, Reparaturanleitungen für ein Portfolio neuer Fahrzeugmodelle und -marken, …) aus bis zu 20 Quellen in der Plattform zu harmonisieren, ohne dass die Komplexität für den Benutzer spürbar ist. Das Stichwort lautet hier Komplexitätsreduktion durch N4CONNECT: Mit diesem Tool können wir die Informationen aus der Datenbank aufbereiten, das Angebot von Herstellern und Großhändlern anbinden und dem Benutzer in einer standardisierten Form darstellen.

So erobern Plattformlösungen 2025 den Automotive Aftermarket

Bei welchen Aufgaben kann eine Plattformlösung die Werkstatt unterstützen?

Mesut: Beispielsweise wird in der Werkstatt oft verpasst, den Kunden auf eine Rückrufaktion des Herstellers vor der Wartung hinzuweisen. Liegt eine Rückrufaktion vor, erkennt das die Plattform und informiert den Benutzer, bevor mit der Wartung begonnen werden kann. Ein weiteres Beispiel: Oft gibt es bei neueren, elektrischen Fahrzeugen andere Reparaturschritte oder Dokumentationen, die zu berücksichtigen sind. Die Plattform nimmt den Nutzer an die Hand und zeigt ihm durch visuellen und textlichen Input, wie eine Reparatur durchgeführt werden kann. Manchmal bedarf eine Reparatur, z. B. eines Unfallschadens, gleichzeitig Ersatzteile von Großhändlern, aber auch Originalteile von Herstellern. Hier muss die Plattform neben der Integration der Schadenskalkulationsanbieter in Kombination mit der Auswahl der richtigen Teile sowie der richtigen Arbeitswerte, diese auch in einer Plattformökonomie, in einem Warenkorb abbilden und diesen Warenkorb übertragbar in die eigene Warenwirtschaft gestalten. 

Wie genau kann eine Plattformlösung die Komplexität im Werkstattaltag reduzieren?

Patrick: Die wichtigste Aufgabe der Plattform ist es, die Komplexität einer wachsenden Produktpalette vieler Hersteller mit unterschiedlichen Variantenausprägungen für den Benutzer zu reduzieren. Die Komplexität spiegelt sich auch in der Reparatur wider: Je mehr elektronische Bauteile oder Assistenzsysteme miteinander verknüpft sind, desto aufwändiger und großflächiger ist die Reparatur und Kalibrierung bestehender Teile. Eine Plattform muss nicht nur anzeigen können, welcher Großhändler die passenden Ersatzteile verkauft, sondern automatisch zeigen, ob Spezialwerkzeuge benötigt werden und wer diese zum Kauf oder zur Miete anbietet. Mit so einer Plattform erhält eine Werkstatt wortwörtlich das richtige Werkzeug, um Reparaturen optimal durchzuführen.

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INA ROGALEV
junior marketing manager

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MESUT CENGIZ
ceo of n4

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PATRICK LANG
head of automotive products

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